02: Isafjördur

Fortsetzung der Reise:

23. August 2021: Isafjördur

Hafen von Isafjördur

In der Nacht hat es geregnet und auch der Morgen ist nass und wolkenverhangen. Zudem war gestern ein sehr erlebnisreicher Tag mit vielen Eindrücken und holprigen Strassen. So lassen wir es heute sehr langsam angehen und starten gegen Mittag in Richtung Isfjördur. Isafjördur hat gut 2700 Einwohner. Die Stadt ist die Hauptstadt der Region und Anlegestelle für grössere Ausflugsschiffe und Kreuzfahrtschiffe. Viele der alten Häuser stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Das Boot unserer Träume

Wir parkieren beim Netto Supermarkt und spazieren in Richtung Hafen. Das Kreuzfahrtschiff der Viking line ankert immer noch im Hafen. Wir schlendern der Mole entlang und finden das Boot unserer Träume.

Zuhinterst steht das Westfjorden History Museum. Auf 3 Etagen sind alte Gegenstände von Haushalt und Fischerei ausgestellt und 2 Filme zeigen das Leben der Fischer. Der erste Film ist ein Zeitzeugnis aus den 1924er Jahren. Klippfisch (gesalzener und luftgetrockneter Fisch) wurde in riesigen Mengen hergestellt. Es wurde hauptsächlich Kabeljau verwendet. Seit 1920 ist Island der wichtigste Lieferant für Klippfisch von Portugal, aber auch Spanien und Italien. Der zweite Film erzählt die Geschichte der Fischer. In jeden Boot gab es immer einen Mann der alles wusste und dem die restlichen der Mannschaft gehorchte. Er gab den Befehl wo, wann und wie lange gefischt wurde.

In der Aussenanlagen sind noch verschiedene Gegenstände ausgestellt wie z.B. eine Walkanone. Es liegen auch ein paar Knochen dieser schönen Tiere herum. Nach dem Museum schlendern wir weiter durch das Hafengelände, finden einen Shop mit Helly Hansen Bekleidung (und kaufen auch ein) und gelangen schliesslich zum Dorfplatz. Dort befinden sich weitere Geschäfte, ein Buchladen und das Hotel. Isafjördur ist sehr überschaubar, aber irgendwie charmant. Zum Abschluss unseres kleinen Ausflugs kaufen wir noch ein paar Lebensmittel.

Morgen fahren wir weiter nach Hvammstangi.

22. August 2021: Quer durchs Land

Heutiges Ziel: Flokalundur

Von Isafjördur führen 3 Strassen weg: eine nach Hnifsdalur und von da noch ca. 8 km weiter. Die 2. führt dem Nordrand entlang in Richtung Hvammstängi und weiter nach Reykjavik oder nach Osten. Und auf der 3. fährt man in Richtung Süden quer durchs Land schlussendlich an verschiedene Fjorde.

Hochland, ca. 500 MüM

Wir nehmen heute wieder die Strasse durch den Tunnel ins Landesinnere. Dies ist die Strasse in Richtung Süden. Unser Ziel ist Flokalundur, ein kleiner Ort an der Südküste der Westfjorden. Heute ist es eher nebelverhangen. Zuerst passieren wir wiederum den neuen Tunnel und fahren am Dynjandi Wasserfall vorbei. Von da an ist es Neuland für uns. Die Strasse ist ungeteert und unser Auto wieder einmal schmutzig. Aber es regnet nicht und so ist die Strasse gut passierbar. Obwohl Sonntag ist, ist es wie immer in Island: menschenleer, aber mit vielen Schafen. Die Strasse windet sich sanft in die Höhe bis wir auf ca. 500 Meter über Meer sind. Die Strasse führt uns ins Hochland über dem Dynjandi Wasserfall. Eine weite Ebene mit vielen Seen. Von da oben haben wir atemberaubende Aussicht in verschiedene Fjorde. Das letzte Stück der Strasse hinunter nach Flokalundur ist sehr rau. Hier wird wieder eine neue Strasse gebaut und die alte ist total kaputt von den Lastwagen. Aber auch das geht vorüber. Beim Hotel Flokalundur halten wir an und schauen über die weite Bucht und machen eine kleine Pause. Es ist schön hier, aber es hat erstaunlicherweise viele Leute. Irgendwie zieht es uns wieder zurück und wir machen uns bald auf den Heimweg.

Hotel Flokalundur

Es ist der gleiche Weg wie wir gekommen sind. Aber man sieht andere Dinge und das ist spannend. Auf der weiten Ebene sehen wir weitere Seen und Flüsse sowie kleinere Wasserfälle. Irgendwo weit hinten und oben befindet sich auf knapp 1000 Metern ein Gletscher. Wir können ihn allerdings nicht sehen. Dieser Gletscher mit all seinen vorgelagerten Seen speist schlussendlich den wunderschönen Dynjandi Wasserfall.

See oberhalb Dyndjandi

Jetzt auf dem Rückweg halten wir beim Dynjandi Wasserfall und machen eine kleine Rast. Es hat wenig Leute. Heute morgen waren wir etwas in Sorge. In Isafjördur ankert zur Zeit das Kreuzfahrtschiff „Silver Shadow“. In „Vor Corona Zeiten“ legten sehr viele Kreuzfahrtschiffe in Isafjördur oder unmittelbar im Fjord vor dem Wasserfall an. Bis zu 5000! Touristen sahen den Wasserfall so täglich. Wir sind froh, dass dies (hoffentlich für immer) vorbei ist. Die Natur ist hier sehr dankbar wenn nur wenige Touristen auf ihr herum trampeln.

Mündung von Dynjandi in den Fjord

Auf dem weiteren Heimweg sehen wir, dass an der Strasse fleissig gebaut wurde in der Zwischenzeit. Auf weiten Teilen der Strasse wurde Kies aufgetragen und flachgewalzt. Der Strassenbau ist hier eine „Never ending story“ und kann natürlich nur in der Sommerzeit gemacht werden. So fahren wir ganz langsam über den frischen Strassenbelag, geniessen die Vorfahrt (nur in diese Richtung) im Einbreid Göng und gönnen und zu Hause ein Bier. Zum Abendessen gibt es heute geräucherten Lachs mit Kartoffeln.

21. August 2021: Dynjandi – die Perle der Westfjorden

Leuchtturm bei Bolungarvik

Nach einer erholsamen Nacht wollen wir heute die Umgebung erkunden. Zunächst fahren wir von unserem Haus in Hnifsdalur in Richtung Norden nach Bolungarvik. Die Strasse führt durch einen neuen Tunnel. Die alte Strasse war im Winter öfters unpassierbar. Wir kommen zu einem Leuchtturm und gleich daneben sind grasbedeckte Häuser. Es ist eine Ausstellung über die Fischerei in Bolungarvik, einem der ältesten Fischerdörfer Islands. Noch heute leben die meisten Einwohner vom Fischfang und der Weiterverarbeitung.

Altes Fischerhaus

Die Landschaft ist hier sehr schön. Leider ist es etwas neblig. Und es hat Mücken. Die stechen zwar nicht, fliegen aber in die Ohren, Augen und Nase…

Fischerboot, Bolungarvik im Hintergrund

Wir fahren wieder zurück diesmal bis nach Isafjördur und kaufen in der Vinbudin Bier. In Island (wie in allen skandinavischen Ländern) wird Alkohol nur in speziellen Läden verkauft. Grossverteiler verkaufen, wenn überhaupt, nur niedrig prozentiges Bier (oder was die Isländer Bier nennen).

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Nach dem Einkauf geht es weiter in Richtung Dynjandi Wasserfall. Die Strasse führt bald durch einen Tunnel nach knapp 4 km wird er dann einspurig. Wir lernen, dass wir auf unserer Seite alle ca. 50 Meter eine Bucht haben und dass der Gegenverkehr Vortritt hat. Geschafft!!!

Bolungarvik

Dann geht es durch wunderschöne Fjordlandschaften und dann wieder durch einen 2020 eröffneten Tunnel, diesmal 2 spurig. So spart man sich den Weg über den Berg. Auch in Island muss Natur dem Tourismus weichen.

Unten am Dyndjandi

Es sind wenige Autos unterwegs, so können wir die Fahrt richtig geniessen. Nach einer knappen Stunde sind wir dann auf dem Parkplatz beim Dyndjandi Wasserfall. WAU!!!!

Dyndjandi Wasserfall

Es hat sehr wenige Leute und die riesige Wasserkaskade beherrscht die Szenerie. Der Hauptwasserfall (Dyndjandi) hat eine Höhe von 100 Metern und oben eine Breite von 30 Metern, unten 60 Meter. Unterhalb des grossen Wasserfalls, liegen noch 5 weitere, kleinere Fälle. Es gibt einen Picnicplatz mit Tischen und Toiletten. Das ganze Gebiet steht seit 1981 unter Naturschutz. Wir machen uns an den Aufstieg. Zuerst ist das ganz easy, dann folgen sehr steile Passagen. Aber wir meistern das. Es ist unglaublich schön und so entspannend. Wir verbringen eine ganze Weile ganz oben beim Grossen Wasserfall bevor wir uns dann an den Abstieg machen. Unten setzen wir uns noch an einen Tisch und knabbern, na klar, Nüsse vor dieser atemberaubenden Kulisse.

Dyndjandi aus der Nähe

Wir fahren wieder zurück durch wunderbare Fjordlandschaften. Es hat 18 Grad und die Sonne scheint. Diesmal fahren wir nicht durch den Tunnel, sondern über den Berg. Die Strasse ist ungeteert und führt zuerst dem Fjord entlang. Dann windet sie sich in steilen Kehren den Berg hinauf bis wir dann oben auf dem Hrafnseyrarheidi den höchsten Punkt erreichen. Der Blick zurück ist atemberaubend, der Abstieg steil! Im Schneckentempo fahren wir wieder hinunter auf Meereshöhe. 3 Autos kommen uns entgegen. Unten angekommen, geht es wieder nach oben, um dann mit einem 15% Abstieg ins Dorf Thingeyri zu führen. Ufff, das war anstrengend aber wunderbar.

Hrafnseyrarheidi, Blick auf die Passstrasse

Zurück fahren wir wieder durch den Einbreid Göng und sind gegen 17 Uhr in Hnifsdalur. Ein toller Tag.

20. August 2021: Bitte beim Kreisel nach 250 km die 1. Ausfahrt nehmen

Von Arnarstapi nach Isafjördur

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Wir packen alles zusammen und fahren gegen 9.45 Uhr los. Arnastapi liegt unter einer dicken Wolkendecke, es hat 13 Grad.

Auf der Schotterstrasse unterwegs

Wir fahren erst der Küste entlang und dann auf einer ungeteerten Strassen quer durchs Land. Da es sehr matschig ist, sieht unser Auto bald wie die Strasse aus. Aber in Island gibt es an jeder Tankstelle gratis warmes Wasser mit Bürste für die Autowäsche und so waschen wir in Budardalur den meisten Dreck wieder ab. Nun geht die Fahrt weiter in Richtung Westfjorden. Unser Ziel ist ein kleines Dorf nach Isafjördur, am Ende der Strasse.

Wäsche nötig?

Anfangs gibt es noch Bauernhöfe und vereinzelt kleine Siedlungen. Es gibt auch viele Schafe. Die meisten Weiden sind eingezäunt, aber die meisten Schafe sind ausserhalb der Zäune. Besonders lieben sie es am Strassenrand zu liegen und sich so aufzuwärmen. Man muss sehr aufpassen. wobei die Schafe recht entspannt sind und darauf vertrauen, dass man sie schon nicht überfährt. Je weiter wir nach Norden kommen, desto einsamer wird es. Keine Häuser, keine Schafe. Dieses Gebiet gehört den Vögeln, den Enten, Schwänen und Seehunden.


Die Küste ist sehr zerklüftet und die Strasse fährt jeden Fjord aus. So windet sie sich mal hin, dann auf der anderen Seite zurück. Wir fahren Kilometer um Kilometer. Aber die Sonne scheint, fast knacken wir die 20 Grad Marke und die Landschaft ist wunderbar. Die Fahrt ist sehr kurzweilig. Ab und zu halten wir an, essen etwas oder schauen einfach.


Ein Fjord…

Gegen 16 Uhr sind wir dann kurz vor Isafjördur und kaufen im Bonus noch Lebensmittel. Dann suchen und finden wir unsere Bleibe für die nächsten 4 Tage. Ein wunderschönes Haus mit moderner Küche und Bad, einem Billiardzimmer und Wintergarten, 3 Schlafzimmern und einem grossen Wohnzimmer. Was will man mehr! Die Fahrt hat müde, hungrig und durstig gemacht.


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